- WAS SAGEN DIE MEDIEN?

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Vorwort: "Ein Mensch wird zur Medienfigur"

Durch Polizeiberichte und darauf basierende Presseartikel entstand zunächst ein Bild von Stephan als eines gesichtslosen Randalierers. Mit dem Begriff "Randalierer" kommunizieren wir ganz allgemein Inhalte, wie öffentliche Unruhestiftung, auch schwere Beschädigung fremden Privat- oder allgemeinen Eigentums und insgesamt grob gemeinschaftswidriges, strafwürdiges Verhalten. Deswegen muß er vorsichtig angewendet werden.
Hier geschah eine diffamierende und falsche Begriffswahl, weil sie eine vor der Festnahme geschehene Straftat und eine potenzielle Notwehrsituation der Täter danach suggerierte: Vor dem Einsatz hatte aber lediglich eine Ruhestörung vorgelegen, und erst seiner Festnahme hat sich Stephan, scheinbar heftig, widersetzt. Der Ablauf des Einsatzes bis zu seiner Überwältigung und Fesselung ist diskutierbar. Danach aber geschahen, über einen bezeugten längeren Zeitraum hinweg, Mißhandlungen und Quälereien an einem erkennbar Kranken und Wehrlosen. Eine Berichterstattung, die diese Gefahr der Fehldarstellung in Kauf nimmt, ist unwahrhaftig.In diesem Zusammenhang ist es auch ärgerlich, daß nur den Tätern das Recht auf ein Urteil erst nach der Aufklärung zugestanden wird ("mutmaßlich" oder "angeblich verprügelt"; "Polizeibeamte sollen ..."), nicht aber dem Opfer.
Im Fall von Stephan wird damit ein Mensch auf ein Schlagwort reduziert, das noch dazu einer verzerrenden Fehlbeschreibung der letzten bewußten Stunden seines Lebens entstammt. Die Berichterstattung durch Personen, die zumal Stephan nicht kannten, kam teilweise einer nachträglichen Legitimation des Einsatzes und der Brutalitäten, einer gesellschaftlichen Ausgrenzung und Vorverurteilung des Opfers und einem Herunterspielen des Falles zur Schadensbegrenzung und Prozeßvorbereitung verdächtig nahe. Beschämend für diejenigen, die sich daran beteiligt haben, für die, die noch jetzt an diesen Vokabeln festhalten, beschämend für unsere Stadt, die auch Stephans Stadt gewesen ist. (quelle: gebaeude9.de)

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(ddp-nrw) Die Meldung der Nachrichtenagentur 24.05.2002

"Kölner starb nach angeblicher Polizeibrutalität – Beamte von Kollegen schwer belastet"

Nach rund zweiwöchigen Koma ist ein angeblich von Kölner Polizeibeamten misshandelter Mann gestorben. Die Leiche des 31-Jährigen sollte noch am Freitag obduziert werden, teilte ein Polizeisprecher mit. Der Mann war im Polizeigewahrsam zusammengebrochen, als ihm gewaltsam Blut abgenommen werden sollte. Zuvor soll der Mann von Beamten der Kölner Eigelsteinwache massiv verprügelt worden sein. Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft haben zwei Polizeibeamte ihre Kollegen schwer belastet. Sie sagten aus, dass mehrere Beamte den an Händen und Füßen gefesselten Mann wiederholt geschlagen und getreten haben. Die beiden Zeugen hatten sich nach Beendigung ihres Spätdienstes noch auf der Eigelsteinwache aufgehalten, als der Wachdienstführer "Empfangskommando" gerufen hat. Dies deute auf eine "schwierige Zuführung", sagten der Beamte und die Beamtin aus.
Daraufhin habe man die Sirene eines nahenden Streifenwagens gehört sowie Geräusche, die auf eine körperliche Auseinandersetzung hindeuteten. Kurz darauf habe der 31-Jährige in der Sicherheitsschleuse der Wache gelegen, umgeben von fünf oder sechs Beamten. Dabei kam es zu den Misshandlungen, bei denen der Mann an Kopf, Körper, Armen und Beinen getroffen wurde. Lediglich einer der Polizisten habe sich an den Übergriffen nicht beteiligt.
Danach wurde der am Boden liegende Mann von zwei oder drei Beamten an den Füßen gepackt und durch den Flur in eine Zelle geschleift. Dabei habe das Opfer im Gesicht geblutet. Die weiteren Vorgänge in der Zelle konnte lediglich ein Beamter beobachten. Nach seinen Angaben haben vier Beamte weiter auf den Verletzten eingetreten und eingeschlagen.
Seit zwei Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen sechs Beamte der Polizeiinspektion I, auch gegen die beiden Zeugen wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Sie hatten den Vorfall ihren Vorgesetzten gemeldet. Als Folge der Affäre hatte der Kölner Polizeipräsident Klaus Steffenhagen den Leiter der Polizeiinspektion abberufen und weitere interne Maßnahmen angekündigt.


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taz: "Todesursache Polizeitritte" 13.5.2003

Gutachten: Polizeiliche Maßnahmen mitursächlich für Tod von Festgenommenem.
Für die Beschuldigten im Kölner Polizeiskandal um den Tod eines Festgenommenen wird es eng: Eine "vorbereitende gutachterliche Stellungnahme" des rechtsmedizinischen Instituts der Uni Heidelberg kommt zu dem Schluss, dass "polizeiliche Zwangsmaßnahmen mitursächlich für den Tod" des Mannes gewesen könnten, so ein Sprecher des Kölner Landgerichts.
Am 26. Juni beginnt dort der Prozess gegen sechs Polizisten, die den 31-jährigen Stephan Neisius gemeinschaftlich so schwer misshandelt haben sollen, dass er kurz darauf an den Folgen seiner Verletzungen starb. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beamten im Alter von 25 bis 35 Jahren "Körperverletzung mit Todesfolge" vor. Der Gutachter Ingo Pedal, der als Experte für Todesfälle bei Festnahmen von Menschen in "höchstgradig erregtem Zustand" gilt, habe allerdings betont, es müsse noch geklärt werden, ob es auch ohne die Zwangsmaßnahmen der Beamten zum Tod gekommen wäre.
Weil er in der Wohnung seiner Mutter randaliert haben soll, war Neisius am 11. Mai 2002 festgenommen und zur Kölner Innenstadtwache am Eigelstein gebracht worden. Dort sollen nach den schriftlichen Aussagen zweier unbeteiligter Polizisten bereits in der Sicherheitsschleuse mehrere Kollegen auf den Mann eingetreten und -geschlagen haben. In der Zelle soll der gefesselte Mann weiter misshandelt worden sein. Die Tortur endete erst mit dem Eintreffen der Sanitäter, die Neisius in ein Krankenhaus brachten. Dort kollabierte der Thrombosekranke bei der Blutabnahme. Er fiel ins Koma, dreizehn Tage später war er tot. Die Ärzte stellten im Gesicht "ein deutlich geformtes, frisches Hämatom nach Art eines Schuhsohlenabdruckes" fest. Laut Obduktionsbericht war ein Hirnödem die Todesursache.

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unbequem:
(Zeitung kritischer Polizisten und Polizistinnen - Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft, Ausgabe 49 im Juli 2002)

"Hilfe Polizei!"

Als Stephan N. starb, schien - zumindest in der Stadt - eine echte Diskussion über Polizeigewalt aufzukommen. Die Kölner Boulevardzeitung "EXPRESS" zeigte sich ungewohnt mutig und kritisch, auch das Fernsehen berichtete. Eine Demonstration am Wochenende nach seinem Tod wurde sogar bis in unmittelbare Nähe der entsprechenden Wache gelassen und der Polizeipräsident selbst wollte sprechen, was bei den TeilnehmerInnen der Demo allerdings auf wenig Gegenliebe stieß.
Als die Wellen immer höher schlagen, versuchen einige Verdächtige, den Fall zu vertuschen. Vor allem die Beamten Mathias L. und Lars S., die zu einer anderen City-Wache gehören, fallen durch ihr Versteckspiel auf. So berichtet ein Kollege von einem Gespräch mit Polizeiobermeister L. Der habe ihm erzählt, dass er den Ermittlern falsche Kleidungsstücke gegeben habe. Er wisse nicht, ob das gut oder schlecht gewesen sei. Wo er die blutverschmierten Uniformteile versteckt hat, sagte er freilich nicht.
Und es soll noch schlimmer kommen. Wiederum einige Tage später kommt durch den Express eine neue Zeugenaussage ans Licht: "An jenem Abend des 11. Mai hatte er sich bei der Festnahme des 31-jährigen durch Glassplitter leicht verletzt. Daher war er nicht mehr dabei, als die Kollegen den Mann zur Wache transportierten. Nach dem Ende des Einsatzes kam der Polizeiobermeister Mathias L. auf den leicht verletzten Zeugen zu und sagte: ,Wir haben Dich gerächt´, erinnerte sich der Kommissar." (...)
Für die Polizeiführung endete damit die öffentliche Beschäftigung mit dem Thema zumindest vorerst. Aber wodurch mag der Erregungszustand wohl ausgelöst worden sein? Und wie kann von einer Unabhängigkeit der Gerichtsmedizin ausgegangen werden, arbeitet sie doch ansonsten nahezu symbiotisch mit den Ermittlungsbehörden zusammen? Was ist eigentlich besser daran, wenn einer nur halb und nicht ganz tot geschlagen worden ist?
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SPIEGEL online: "Garantiert mal draufgetreten" 03.06.2002

Polizisten misshandelten in Köln einen Mann, der später im Krankenhaus verstarb. Den Vorgesetzten war die Gewaltbereitschaft mehrerer Beamter schon länger bekannt. Der offizielle Lars S. gilt als ein freundlicher Polizist, stets bemüht, auf alte Menschen einzugehen, obendrein "beliebt" bei Kollegen und fleißig. So wohlwollend klang es, als seine Vorgesetzten ihn im Februar beurteilten.
Den anderen Lars S., von dem seine Chefs in sechseinhalb Dienstjahren bei der Kölner Polizeiinspektion 1 (PI 1) nichts geahnt haben wollen, lernte Stephan N. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in seinen letzten wachen Stunden qualvoll kennen. Der "beliebte" 28-jährige Beamte und fünf Kollegen sollen den gefesselten N. am 11. Mai krankenhausreif geprügelt haben. Im St.-Marien-Hospital erlitt N. am selben Abend einen Herzstillstand, wurde reanimiert und lag anschließend zwei Wochen im Koma. Vorvergangene Woche verstarb der 31-Jährige an einem Hirnödem.
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SPIEGEL online: "Im Kölner Polizei-Skandal waren Vorgesetzte informiert" 01.06.2002

Im Kölner Polizei-Skandal waren Vorgesetzte informiert. Vorgesetzte der mutmaßlich prügelnden Polizeibeamten von Köln wussten durch eine interne Studie schon länger von Problemen bei der Polizeiinspektion I, in deren Wache Eigelstein am 11.Mai der inzwischen verstorbene 31-jährige Stephan N. schwer misshandelt worden sein soll. Der bisher unveröffentlichten Untersuchung zufolge, die die Polizei selbst in Auftrag gegeben hat, haben fast die Hälfte der Beamten schon einmal ihre Wut gegenüber dem Bürger "nicht mehr im Griff" gehabt. 90 Prozent gaben an, ein Kollege sei bei einem Einsatz schon mal "zu weit" gegangen. Dass die Polizeiführung schon lange von Problemen in der Inspektion wissen muss, belegt auch ein Disziplinarverfahren gegen den 28-jährigen Polizisten Lars S., der insgesamt bereits zwölfmal, meist wegen Körperverletzung im Amt, angezeigt und einmal wegen Beleidigung verurteilt worden ist. MEHR..

(SIEHE AUCH GEGENDARSTELLUNG DER POLIZEI)


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Tagesschau online: "Vorwurf der Misshandlung" 24.05.2002

Den beiden Polizisten wird Misshandlung und Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Das Obduktionsergebnis liegt noch nicht vor. Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens (SPD) äußerte sich bestürzt über den Tod. "Ich nehme diesen Vorfall sehr ernst", erklärte er in Düsseldorf. "Alle Umstände müssen schnell und rückhaltlos aufgeklärt werden."


Tagesschau online: "Zeugen bestätigen Prügel-Szenen"
25.05.2002

Im Zusammenhang mit der Kölner Polizeiaffäre um den Tod eines Randalierers sind in Köln mehrere hundert Menschen auf die Straße gegangen. Vor der betroffenen Revierwache forderten die rund 500 Demonstranten eine lückenlose Aufklärung des Todes des 31-jährigen Mannes, den Polizisten auf der Wache vor rund zwei Wochen krankenhausreif geschlagen haben sollen und der am Freitag gestorben war." (...)
"Eine Polizistin und ihr Kollege, die auf einer Wache Zeugen des Vorfalls wurden, bestätigten die Prügelvorwürfe. Demnach hätten sechs Beamte auf den Festgenommenen, der an Händen und Füßen gefesselt gewesen war, eingeschlagen und eingetreten. Dabei sei er an Kopf, Körper, Armen und Beinen getroffen worden. Dann hätten zwei oder drei der Beamten den am Boden Liegenden an den Füßen gepackt und durch den Flur in eine Zelle geschleift. Das Opfer habe im Gesicht geblutet. In der Zelle sollen vier Polizisten den Mann weiter mit Schlägen und Tritten traktiert haben. Schließlich sei er von einem Rettungswagen abgeholt worden. Als dem Mann wenig später im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen wurde, kollabierte er und fiel ins Koma. MEHR..

Tagesschau TV: NACHTMAGAZIN VOM 25.05.2002 - rechter link

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WDR online: "Anklage gegen sechs Polizeibeamte" 27.02.2003

Beamte sollen 31-Jährigem tödliche Verletzungen zugefügt haben
Die Staatsanwaltschaft hat gegen sechs Polizisten einer Kölner Wache Anklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Den Beamten wird vorgeworfen, im Mai 2002 einen Mann auf der Wache krankenhausreif geschlagen zu haben, der zwei Wochen später starb.
Die Beschuldigten sind im Alter von 25 bis 35 Jahren. Angezeigt worden waren sie von zwei Kollegen, die die Ereignisse im Mai 2002 beobachtet hatten. Demnach soll ein 31-Jähriger nach seiner Festnahme auf der Kölner Polizeiwache am Eigelstein schwer misshandelt worden sein. Nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus war er ins Koma gefallen und dort 13 Tage später verstorben. Bei einer Obduktion war ein Hirnödem festgestellt worden. Nach damaligen Zeugenaussagen soll der Festgenommene an Händen und Füßen gefesselt und dann getreten worden sein. Dabei erlitt er Verletzungen am ganzen Körper. In Kombination mit seinem ohnehin schlechten Gesundheitszustand führten diese nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zum Tode.
Ermittlungen gegen weitere Beamte eingestellt
Ermittlungen gegen zwei Beamte wegen unterlassener Hilfeleistung wurden eingestellt, da "der Tatvorwurf nicht nachgewiesen" werden konnte, erklärte Regine Appenrodt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die beiden hatten am nächsten Tag ihren Vorgesetzten über die Ereignisse informiert. Auch gegen vier weitere Polizisten, die sich im Umfeld der Wache aufgehalten hatten, wird nicht mehr ermittelt. Der Leiter der Polizeiwache war unmittelbar nach dem Vorfall an eine andere Wache versetzt worden.
Gutachten: Keine fahrlässige Tötung
Entgegen ersten Vermutungen waren nicht Schläge und Tritte Ursache des Todes von Stephan N., sondern ein Herz- und Kreislaufversagen "nach einer vorausgegangenen Belastungsreaktion." Zu diesem Ergebnis waren Gerichtsmediziner der Universität Köln gekommen. In dem Gutachten heißt es weiter, Stephan N. sei psychisch vorerkrankt und bei seiner Festnahme augenscheinlich psychotisch gewesen. Außerdem dürfte sich "zusätzlich akuter Cannabiskonsum ausgewirkt" haben, steht in der Erklärung der Behörden. Der Stresszustand des Opfers sei durch die Handlungsweise der Polizisten vielleicht verstärkt worden; der spätere Todeseintritt sei aber nicht vorhersehbar gewesen und damit nicht fahrlässig herbeigeführt worden.
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WDR online: "Polizeiskandal: Neue Verdächtige" 02.08.2002

Ermittlung gegen 13 Polizisten
Nicht sechs, sondern 13 Beamte sollen Ende Mai an der Misshandlung eines Festgenommenen auf einer Kölner Polizeiwache beteiligt gewesen sein. Die Kölner Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt bestätigte am Freitag (02.08.02), dass inzwischen gegen 13 Beamte ermittelt werde. Elf von ihnen stünden unter dem Verdacht der Körperverletzung im Amt. Gegen zwei weitere, die die Vorfälle beobachtet und später angezeigt hatten, werde wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt, teilte Appenrodt mit.

Bisher war nur von sechs Beamten die Rede, die am 11. Mai 2002 auf der Polizeiwache Eigelstein einen Mann krankenhausreif geschlagen haben sollen. Der 31-Jährige starb knapp zwei Wochen später, ohne noch einmal aus dem Koma erwacht zu sein. MEHR..


WDR online: "Kurz zuvor war ein Kollege verletzt worden" 05.06.2002

Weil bei seiner Festnahme ein Beamter verletzt wurde, musste der getötete 31-jährige Kölner Schläge und Tritte auf der Polizeiwache Eigelstein über sich ergehen lassen. Das gab jetzt einer der beschuldigten Polizisten zu Protokoll. Ein 24 Jahre alter Polizist soll sich nach dem mutmaßlichen Übergriff bei einem Kollegen mit den Worten "Wir haben Dich gerächt", gemeldet haben, wie der Kölner Stadtanzeiger in seiner Donnerstagausgabe (06.06.02) schreibt.


WDR online: "Auch Zivilklage gegen beschuldigte Polizisten"

Im Kölner Polizei-Skandal sollen die beschuldigten Beamten und die Polizeibehörde auch zivilrechtlich verklagt werden. Das kündigte der Anwalt der Mutter des 31-jährigen Mannes an, der bei einem Polizeieinsatz am 11. Mai misshandelt worden sein soll und später gestorben war. "Wir werden sowohl den Schmerzensgeldanspruch der Erben, als auch die Kosten für Beerdigung, Grabstein und Grabpflege geltend machen", sagte Rechtsanwalt Norbert Wilke am Freitag (31.05.02) in Köln. Die Familie des Verstorbenen werde zudem bei einem Strafprozess gegen die Polizisten als Nebenkläger auftreten. MEHR.. .. ..

WDR TV: TOD NACH FESTNAHME KÖLNER POLIZEIPRÄSIDENT WILL SKANDAL AUFKLÄREN
WAS PASSIERTE NACH DEM ÜBERGRIFF? VORWÜRFE GEGEN KÖLNER POLIZISTEN ERHÄRETEN SICH

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SadtRevue online: "Erklärungsnot"

Als jedoch am 14. Mai die Aussage zweier Beamter, die die Misshandlungen ihrer Kollegen beobachtet hatten, den Vorfall zum Fall werden ließ, wurde die Erklärungsnot groß. Unentschlossen sprechen die Polizeiberichte jetzt vom "31jährigen Mann", während der Express aus ihm den "100-Kilo-Mann" macht. Im Laufe der darauffolgenden Tage findet der Express sein neues Feindbild: Der verdächtige Polizist Lars S. ist nun der "Rambo in Uniform", Stephan Neisius "das Polizei-Opfer". Beim Kölner Stadt-Anzeiger ist vom "renitenten Handwerker" die Rede, vom "Tobenden" und "mehr als zwei Zentner schweren Mann", der dazu noch "seit langen Jahren arbeitslos" war und "psychische Probleme" hatte. Selbst die taz kennt zunächst den "Zweizentnermann", erst im Laufe der Erkenntnisse wird er zum "Thrombose-Kranken"; Süddeutsche Zeitung und FAZ kennen den "Randalierer", und auch die Bild am Sonntag entscheidet sich für den "100-Kilo-Mann". (...)
Der Hang zur verkürzten Biographie bei Menschen, die in Polizeivorgänge involviert sind, mag amtsintern vielleicht hilfreich sein, doch er leitet die Einschätzung der Vorgänge durch die Öffentlichkeit fehl. Besonders übel stößt das den FreundInnen und Verwandten des Opfers auf. Für sie hat der Tote durch die Berichte "sein Gesicht verloren". In Appellen und in einer Todesanzeige versuchen sie nunmehr, auf die Persönlichkeit hinzuweisen, die der Öffentlichkeit bis zuletzt verborgen blieb. Da ist vom humorvollen, originellen, kulturbegeisterten und gelassenen Menschen mit vielen Talenten die Rede. Thomas K. vom Gebäude 9, in dem Stephan Neisius mitarbeitete, sagt: "Wer Stephan nicht kannte und die Zeitungen liest, denkt sich vielleicht: Naja, bei so einem Randalierer, wahrscheinlich noch asozial, alles kein Wunder. Tatsächlich aber war er alles andere als das, er war ein Mensch wie ich und Du."
Klar ist: Ob jemand ein "Zwei-Zentner-Mann" ist oder "ca. 95 kg schwer", "Randalierer" oder "in Panik" - die Melodie der Formulierung setzt Assoziationen frei, die den Betroffenen in diesem Falle zu einer zweifelhaften Außenseiterfigur stilisieren. "Und sowas ist wahrscheinlich prozessvorbereitend", vermutet Krutmann. Es mag vielleicht nicht beabsichtigt sein, doch die verkürzte Darstellung der Medien schafft die Voraussetzung dafür, das Opfer im Prozess zum Schuldigen zu machen.
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Indymedia: Berichte aus den Indymedia-Foren 26.06.2002

Stephans Mutter sitzt vor dem Fernseher, als die Beamten die Wohnungstür eintreten. Sie treten die Tür ein, weil sie die Mutter von Stephan in Gefahr wähnen. Sie gehen angeblich davon aus, der Sohn könne der Mutter was antun. "Das stimmt nicht. Mein Sohn ließ sich nichts zuschulden kommen", wird die Mutter später immer wieder betonen. Laut RA Schöler, dem von der Familie eingeschalteten Anwalt, hätten die Polizisten spätestens dann den Einsatz abbrechen müssen, als sie die Mutter bei laufendem Fernseher auf dem Sofa sitzen sahen. Stattdessen sprechen sie die Frau nicht einmal an, sie belehren sie lediglich, und das brüllend: "Halten sie den Mund, sonst kommen sie mit uns." Stephan hat sich in sein Zimmer verbarrikadiert, die Polizisten brechen diese Tür ebenfalls gewaltsam auf, er wehrt sich. Einen 100 Kilo schweren Menschen zu überwältigen ist nicht ganz einfach, die Auseinandersetzung ist heftig. Stephan wird überwältigt und ins Wohnzimmer gezerrt. "Mama, Mama, die bringen mich um." hat Stephan gerufen, sagt die Mutter. Als sie sieht, wie sie ihn gewaltsam festnehmen, ihn fesseln und zu Boden drücken, teilt sie einer Beamtin mit, ihr Sohn nehme das Medikament Macumar ein. (...) Während die Gerichtsmediziner sich mit der Obduktion beschäftigten, machten sich Zivilbeamte der Fahndung auf den Weg, um ihre Kollegen Lars S. Und Mathias L. festzunehmen. Um 16.15 Uhr, sieben Stunden nach Stephans Tod, wurde Mathias L. in seiner Wohnung festgenommen. Lars L. hingegen ist zunächst nicht auffindbar. Nach vergeblichem Klingeln an seiner Wohnungstür beauftragen die Beamten einen Schlüsseldienst damit, die Wohnungstür zu öffnen. Es heißt, Lars S. könne sich "unter dem Ermittlungsdruck" etwas angetan haben. Vom Kollegen ist jedoch in der Wohnung keine Spur. Die Fahnder beschlagnahmen Akten, stellen zwei Leute zur Observation ab und versuchen es bei den Eltern des verschwundenen Kollegen. Dort, ebenfalls keine Spur von Lars S. Gegen 18 Uhr wird er auf unbekannte Weise im Niedersächsischen aufgespürt und festgenommen. MEHR..

 

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